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Bestechung und Korruption genießen eine hohe und immer noch zunehmende Prominenz. Im Rahmen von Berichterstattung und Dokumentation überwiegen jedoch moralisierende Beschreibungen und selbst ein Großteil der wissenschaftlichen Texte kann sich dem Bekenntnis zur Gegnerschaft und der Artikulation von Kampfbereitschaft nicht entziehen. Aber warum ist das so? Verbirgt die verbale Hochrüstung möglicherweise weit reichende, aber unangenehme Erkenntnispotenziale?
In seinem ersten Buch "Lärmende Geschenke" lädt uns der Autor Uli Reiter zu einem spannenden Gang durch die Geschichte ein. Ausgehend von den Stadtgesellschaften Mesopotamiens, über das Mittelalter bis hin zur Moderne beschreibt er Vorformen, Funktion und Evolution von Bestechung und Korruption. So ermöglicht er eine überraschend neue Sichtweise und stellt dabei die unbequeme Frage, ob Bestechung und Korruption nur Probleme erzeugen oder ob sie nicht vielmehr als subversives Sinnangebot zur Lösung anderer gesellschaftlicher Probleme verstanden werden sollten?
Dem Autor gelingt mit systemtheoretischen Mitteln eine überzeugende begriffliche Konturierung von Bestechung und Korruption und beschreibt letztere als eine eigene Verfahrensweise, die bestehende Verfahrensweisen verhandelt. Solange Bestechung nicht verboten ist, können mit ihrer Hilfe, geschützt durch Vertraulichkeit, neue Strukturen und Medien, wie beispielsweise das Geld, die "Miete" oder die "Mieth- und Lohnarbeit", evolutionär erprobt - und dann verworfen oder als Innovationen rechtlich-politisch legitimiert werden. |